Fleischmann E 52: Rollout des Heuwenders

8. Dezember 2017 - Lesezeit: 5 Min

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Form der Freude. Und im Falle der nun ausgelieferten Baureihe E 52 von Fleischmann hat sich das Warten und die Vorfreude mehr als gelohnt. Die Nachbildung der schwersten deutsche Elektrolok ist unterm Strich sehr gelungen.

Fleischmann E 52 Modellbahn SBS 10

Die Modellnachbildung der schwersten deutschen Elektrolokomotive E 52 in der Schrägansicht von oben. – Bild: Guido Kruschke

Fleischmann E 52 Modellbahn H0

Die neue E 52 07 von ihrer Schokoladenseite schräg von vorne. – Bild: Guido Kruschke

Anfang Dezember lieferte die Modelleisenbahn GmbH die ersten Exemplare der zur Spielwarenmesse 2017 angekündigten Baureihe E 52 an den Fachhandel aus. Und weil ich früh vorbestellt habe, gehöre ich zu den ersten Modellbahnern, die mit ihren Heuwender im Maßstab 1:87 bereits die ersten Runden auf dem Testoval absolvieren konnten.

Fleischmann E 52 Modellbahn Digital

Im Führerstand 1 erkennt man einen Lokführer. Für die freie Sicht nach vorne sorgen fein geätzte Scheibenwischer. – Bild: Guido Kruschke

Auspacken, aufgleisen und losfahren? Nein, das würde dem Modell aus meiner Sicht so nicht gerecht.

Erst einmal genießen…

Zunächst habe ich den Kraftprotz mal tief inhaliert, im übertragenen Sinne, versteht sich. Es ist schon ein schönes Gefühl, ganz in Ruhe das Modell von allen Seiten betrachten zu können. Die vielen kleinen und größeren Details offenbaren sich erst, wenn man lange hinschaut und die E 52 dreht und wendet. Kantige Eleganz. Ich gebe zu, es war Liebe auf den ersten Blick.

Fleischmann E 52 Fahrwerk Modellbahn Digital

Das Fahrwerk mit dem Schrägstangenantrieb. Zwei der vier Triebräder sind mit Haftreifen bestückt. – Bild: Guido Kruschke

Einen ersten Eindruck auf das Modell vermittelte Fleischmann im Sommer, als man erste Bilder auf der firmeneigenen Seite einstellte.

Der im typischen Chromoxidgrün der 60er Jahre gehaltene Lokomotivkasten ist durchweg sauber lackiert. Die Beschriftung ist gestochen scharf und beheimatet die E 52 07 beim Bw Stuttgart. Fein nachgebildete Nieten, seitliche Lüftergitter mit plastischer Tiefe, die schwarz gerahmten Fenster und extra angesetzte Scheibenwischer verpassen dem Modell eine durchaus bestechende Optik. Die vorderen Türen sind vorbildgerecht verschlossen. Die obere Frontlaterne ist etwas größer, als die beiden unteren Stirnlampen. Das war auch beim großen Vorbild so.

Schaut man genau hin, sieht man im Führerstand 1 auch einen Lokführer. Fleischmann verläßt sich also nicht nur auf die Fahrkünste seiner Kunden. Um seine Tätigkeit außerhalb des Führerstands nicht im große Akrobatik ausufern zu lassen, wird ihm noch eine Leiter spendiert, welche sich im Zurüstbeutel befindet.

Fleischmann E 52 Digital Modellbahn H0

Gestochen scharf, was Fleischmann da aufgedruckt hat. In ihren letzten Jahren war die E 52 07 beim Bw Stuttgart beheimatet. – Bild: Guido Kruschke

Fleischmann E 52 Stromabnehmer SBS 10 Modellbahn

Der fein detaillierte Dachstromabnehmer der Bauart SBS 10. Bild: Guido Kruschke

Der hohe Detaillierungsgrad setzt sich auf dem Dach fort. Die rot lackierten Leitungen sind aus feinem Draht, die beiden funktionslosen Pantografen bilden das große Vorbild eines SBS 10 Stromabnehmers nach. Ob die holzbeplankten Dachtritte auch im Fabton des Daches gehalten waren, kann ich in Ermangelung von Farbaufnahmen des Vorbilds nicht sagen.

Tatsächlich auch für enge Radien geeignet

Angetrieben wird das Modell von einem im Chassis mittig liegenden Fünfpoler, der die vier großen Triebachsen antreibt, welche ihrerseits in zwei Blöcken gelagert sind. Die innenliegenden Triebachsen haben keine Haftreifen und verfügen über ein sattes, aber nicht störendes Seitenspiel. Die Treibstangen hackeln nicht, auch wenn es in den Kurven mal enger zugeht. Die vier schwarzen Sandbehälter nebst Fallrohren sitzen dort, wo sie hingehören. Sogar den beweglichen Schmierpumpenantrieb haben die Konstrukteure nachgebildet.

Fleischmann E 52 Leig-Einheit Zug Modellbahn

In ihren späten Einsatzjahren konnte man die E 52 durchaus vor kurzen Güterzügen erwischen. – Bild: Guido Kruschke

Wirklich gut gelöst ist das Ausschwenken der Vorlaufdrehdrehgestelle in Kombination mit den Führerstandsaufstiegen. Wenn es in den Kurven eng wird, dann lassen sich die Aufstiege ein kleines Stück nach außen ziehen, wo sie kaum merklich arretieren. Nun können die Vorlaufdrehgestelle noch einen Tick weiter ausschwenken. In meinem Fall ist das nicht notwendig, denn auch den Radius 2 des C-Gleises meistert die E 52 anstandslos.

Ohne Kunststoffglanz sind die Trieb- und Laufräder, denn sie werden aus Metall gefertigt. Die Spurkränze bewegen sich von der Optik her gerade noch im akzeptablen Bereich. Im Mix macht das Fahrwerk auf mich einen insgesamt guten und auch stimmigen Eindruck.

Robust und leistungstarkt – die E 52 unter der Haube

Genau 500 Gramm bringt das Modell auf die Waage und sorgt, gemeinsam mit vier Haftreifen auf den außenliegenden Triebachsen, für ordentlich Kraft auf dem Gleis. Wieviele Schnellzug- und Güterwagen sie jetzt schlußendich zu ziehen vermag, habe ich nicht probiert. Meinen Betriebsanforderungen auf der heimischen Parkettbahn wird die Lok jedenfalls mehr als gerecht.

Fleischmann E 52 Demontag Digitak Modellbahn

Nach dem Lösen von zwei Gehäuseschrauben läßt sich der Lokomotivkasten vom Chassis abheben. – Bild: Guido Kruschke

Nach dem ausgiebigen Defilee auf dem heimischen Schreibtisch geht es auf die Teststrecke. Hier dreht mein Modell nur wenige Runden unter analoger Betriebsherrschaft, denn ein ESU LokPilot V4.0 wartete schon ungeduldig auf seinen Einsatz. Dieser gehört aber unter die Haube.

Nach der beiliegenden Betriebsanleitung sind lediglich zwei Gehäuseschrauben zu lösen, dann läßt sich das Oberteil abnehmen. Der Blick fällt auf die langgestreckte Platine, wo mittig die PluX22-Schnittstelle sitzt. Schnell ist der Dummy entfernt und der ESU-Decoder eingesteckt.

Fleischmann E 52 Digital ESU Decoder

Für die digitale Steuerung wird ein ESU LokPilot V4.0 in die PluX22-Schnittstelle gesteckt. – Bild: Guido Kruschke

Fleischmann E 52

Ein Antriebsblock von unten. Die Treibstangen haben ausreichend Spiel für einen reibungslosen Vortrieb. – Bild: Guido Kruschke

Ohne Programmierung geht es direkt auf das Testoval. Gesteuert über die z21-App von Roco macht sich die E 52 mit den Werkseinstellungen unter der Adresse 3 auf ihre digitale Jungfernfahrt. Mein erstes Fazit ist schnell gezogen: Tolle Fahreigenschaften, ohne Wenn und Aber.

Der grüne Kraftprotz zieht ganz schon was weg

Anschließend habe ich die Anfahr- und Bremsverzögerung über die CV 3 und 4 und die Geschwindigkeit über die CV 5 und 6 eingestellt. Mehr war nicht zu tun. Und mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Von der extremen Langsamfahrt beschleunigt die schwere Maschine ruckfrei und sauber bis zur eingestellten Höchstgeschwindigkeit, der Bremsvorgang läuft ebenso geschmeidig ab. Was mich besonders beeindruckt, wie sich der Stangenantrieb mit dem Gegengewicht bei Langsamfahrt bewegt. Als Betrachter meint man förmlich, die Kraft zu spüren, die dahintersteckt.

Schalten und Walten der Beleuchtung

Das 3-Spitzenlicht vorne wird über eine LED-Platine erledigt, ebenso das Rücklicht in Form des einfachen Zugschlußsignals Zs3. Geht es vorwärts, so schaltet F0 die vordere Beleuchtung, das Schlußlicht wird mit F1 angesteuert. Bei Rückwärtsfahrt wechselt die Frontbeleuchtung, das Schlußlicht steuert man jetzt mit F2 an. So einfach ist das. Auf die Führerstandsbeleuchtung will ich vorerst verzichten, denn dazu bräuchte ich auf jeden Fall die Platine der digitalen Version.

Fleischmann E 52 Beleuchtung Digital

Die Modellbeleuchtung erfolgt über kleine LED. – Bild: Guido Kruschke

Das Fahrverhalten der E 52 ist aus meiner Sicht über jeden Zweifel erhaben. Ruckfrei und beinahe lautlos über jede Fahrstufe hinweg. Wird sie schneller, dann macht sich der Elektromotor und der Antrieb in Form eines leisen Summens bemerkbar. Wie weit man die Fahreigenschaften treibt, das hängt von den Einstellungen am Digitaldecoder ab.

Fleischmann E 52 Vorlaufdrehgestell Montage Digital

Für beinahe jeden Radius geeignet. Wenn es ganz eng in den Kurven wird, können die Aufstiegsleitern ein Stück herausgezogen werden. – Bild: Guido Kruschke

Fleischmann E 52 Vorlaufdrehgestell Modell Digital

So kann das Vorlaufdrehgestell auch in engen Radien ausschwenken. – Bild: Guido Kruschke

Mein Gesamtfazit nach einem Wochenende mit der neuen E 52 von Fleischmann fällt durchweg positiv aus. Optisch ist das Modell eine echte Augenweide. Ob nun alle Details auch hundertprozentig umgesetzt wurden, kann und will ich gar nicht beurteilen. Aus meiner Sicht paßt alles. Zur tollen Optik gesellen sich die ebenso tollen Fahreigenschaften im Digitalmodus. Klasse gemacht, liebe Fleischmänner unter dem Dach der Modelleisenbahn GmbH!

Vom Handmuster bis zur Serienreife

Vorgestellt wurde die E 52 im Miniaturformat zur Spielwarenmesse 2017. Die ersten Muster aus dem 3D-Drucker ließen erahnen, was da auf die Modellbahner zurollen würde. Als im Sommer das erste Modell aus der Vorproduktion vorgestellt wurde, wurde rasch Kritik an dem einen oder anderen Detail laut. Und wie schon bei der Baureihe 160 in Ausführung der Epoche 4 hatte man bei der Modelleisenbahn GmbH durchaus genau hingehört und mitgelesen.

Fleischmann E 52 Modellbahn H0

Das Handmuster der E 52, vorgestellt auf der Spielwarenmesse 2017 in Nürnberg. – Bild: Modelleisenbahn München GmbH

Fleischmann Baureihe E 52

Im Sommer 2017 zeigte Fleischmann erste Bilder des Vorserienmusters der Baureihe 52. – Bild: Modelleisenbahn München GmbH

Als dann der Sonneberger Konkurrent seine Baureihe 152 in den Fachhandel rollen ließ, scharrten die Fleischmann-Freunde noch ungeduldiger mit den Hufen. Würde man in München den Auslieferungstermin vor Weihnachten halten können? Spätestens seit Anfang Dezember wissen wir: Man konnte!

Ein Gigant für den schweren Personenzugdienst

Die bayerische EP 5 (ab 1927 als Baureihe E 52 und ab 1968 als Baureihe 152 bezeichnet) war als Elektrolokomotive für den schweren Personenzugverkehr konzipiert. Sie war die schwerste E-Lok, die je in Deutschland lief.

Im ersten von der Deutschen Reichsbahn aufgestellten Beschaffungsprogramm neuer Fahrzeuge war auch eine Elektrolokomotive für den schweren Personenzugdienst auf den elektrifizierten Strecken in Bayern vorgesehen. Aus zahlreichen Entwürfen entschied man sich für eine 2’BB2′-Lokomotive, welche die gleichen Motoren erhalten sollte wie die ebenfalls geplante Güterzuglokomotive Baureihe E 91.

Baureihe E 52 Deutsche Bundesbahn

E 52 05 hatte bereits 34 Dienstjahre hinter sich und wartet im Mai 1968 in Stuttgart-Bad Cannstatt auf den nächsten Einsatz als Schiebelok. – Bild: Kurt Eckert, Bildarchiv der Eisenbahnstiftung

Die Hersteller lieferten die Lokomotiven in den Jahren 1924 und 1925 an die DRG, die sie noch als Gattung EP 5 mit den Nummern 21 501 – 535 in Betrieb nahm. Im Jahre 1927 erhielten sie die Bezeichnung E 52 01 – 35. Die Fahrzeuge wurden ausschließlich bei bayerischen Einsatzstellen beheimatet. Bis 1945 wurden die E 52 02, 31 und 35 ausgemustert.

Die DB übernahm die übrigen Maschinen, bis 1950 schieden dann noch die E 52 01, 29 und 32 aus. Die verbliebene 29 Maschinen erhielten 1968 die Bezeichnung Baureihe 152. Als durch das Neubauprogramm der DB neue, leistungsfähige Elektrolokomotiven in ausreichender Zahl zur Verfügung standen, wurden diese schweren Maschinen jedoch schnell entbehrlich. Bereits im Februar 1973 wurde mit 152 014 die letzte Maschine dieser Baureihe ausgemustert.

Quelle: Modellbau Wiki, Baureihe E 52

Baureihe E 52  Deutsche Bundesbahn

Das Bild zeigt E 52 10 mit der Schwesterlok E 52 18 im Jahr 1966 im Bw Stuttgart. – Bild: Burkhard Wollny, Bildarchiv der Eisenbahnstiftung

Zusammenfassung
Fleischmann E 52: Rollout des Heuwenders
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Fleischmann E 52: Rollout des Heuwenders
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Ein Kraftpaket im Maßstab 1:87: Fleischmann hat seine Baureihe E 52 ausgeliefert.
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Modellbahn Tutzing
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