Liliput Baureihe 42: Arbeitstier für schwere Güterzüge

27. Dezember 2017 - Lesezeit: 4 Min

Mit einen überarbeiteten Modell der Baureihe 42 kann Liliput an eine alte Tradition anknüpfen. Immerhin findet sich die Nachbildung der schweren Güterzuglokomotive seit Jahrzehnten im Programm des Modellbahnherstellers. Was bringt nun die „Neue“?

Liliput spricht auf der eigenen Internetseite von einer „technisch überarbeiteten Wiederauflage“. Das stimmt. Schon am Antriebskonzept hat sich nichts geändert. Im Tender liegt ein zugkräftige Fünfpoler, der über ein Getriebe die beiden außenliegenden Achsen bewegt. Zum besseren Vortrieb sind die Räder mit Haftreifen ausgestattet.

Liliput Baureihe 42 Kriegslokomoive

Ein markantes Gesicht hat die KDL 3 schon: Die neue Baureihe 42 von Liliput in der Schrägansicht von vorne. – Bild: Guido Kruschke

Liliput Baureihe 42 Kriegslokomotive

Aus dieser Persepktive kommt die bullige Frontpartie der 42 noch besser zur Geltung. – Bild: Guido Kruschke

Die Treibräder sind komplett aus Metall gefertigt, ebenso das Gestänge. Hat sich das Modell einmal in Bewegung gesetzt, laufen die Triebräder ohne Hakeln auch in engen Kurven mit.

Gut gelöst ist die Kulissenmechanik zwischen Lok und Tender. In engen Radien bleibt der Tender eng gekuppelt, nur die seitlichen Aufstiege am Führerhaus schwenken nach außen.

Die Baureihe 42 hat einfach ein Gesicht

Optisch ist eigentlich alles beim alten geblieben. Die fast durchweg aus Metall gefertigte 42 macht nach wie vor einen robusten Eindruck. Die Sandfallrohre am Kessel sind angespritzt, weitere Leitungen und Anbauteile sind Mangelware. Das große Vorbild hatte da aber auch nicht viel zu bieten.

Liliput Baureihe 42 Kriegslokomotive

Ddas technisch überarbeitete Modell in der Schrägansicht von hinten. – Bild: Guido Kruschke

Der Wannentender erscheint auf den ersten Blick etwas hochhaxig. Stellt man ähnliche Modelle von Fleischmann (Baureihe 38) und Roco (Baureihe 52) daneben, muß man schon genau hinsehen, ob da ein großer Unterschied besteht. Ich meine mal eher nicht.

Die wuchtige Zylindergruppe vorne, ein Markenzeichen der Baureihe 42, erscheint nicht nur auf den ersten Blick etwas breit. Sie steht auf beiden Seiten jeweils etwa 1,5 mm über, liegt aber von ihrer Gesamtabmessung noch im NEM-Lichtraumprofil. Probleme beim Entlangfahren an meinen Bahnsteigen, die auf meiner Parkettbahn bündig zum Gleisbett des C-Gleises liegen, gibt es nicht.

Liliput Baureihe 42 Kriegslokomotive

Der rötliche Schein im Führerhaus ist auf die offene Feuerbüchse zurückzuführen. – Bild: Guido Kruschke

Die Beschriftung des neuen Dampfers ist sauber und gestochen scharf. Beheimatet ist die 42 694 beim Bw Bamberg in der BD Nürnberg. Das Untersuchungsjahr 1952 bringt das Modell in die noch junge Epoche 3.

Mattschwarz und ohne Glanz ist die Lackierung

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die mattschwarze Lackierung. Im Vergleich zu anderen Dampflokomotiven fehlt der Liliput-42 ein Hauch von Glanz. Ob das störend ist oder nicht, muß jeder für sich selbst entscheiden. Zu oft anfassen sollte man sein Modell nicht, denn die Finger hinterlassen schon leicht sichtbare Spuren auf dem Lack.

Liliput Baureihe 42 Kriegslokomotive

Die Beschriftung der 42 694 ist einwandfrei. Beheimatet ist das Modell beim Bw Bamberg in der BD Nürnberg. – Bild: Guido Kruschke

Und wie sieht es mit der Wartung und Pflege aus? Die beiligende Anleitung zeigt, wie das Modell geöffnet werden muß. Das ist aus meiner Sicht erst einmal nicht nötig. Ab und an etwas Hochleistungsfett auf die Zahnräder der beiden Triebachsen und die 42 läuft wie geschmiert. Kommt irgendwann einmal der Zeitpunkt, wo die 42 das leichte Quietschen beginnt, wird es Zeit, die beweglichen Teile, wie Achsen und Gestänge, unter Zuhilfenahme eines Pinsels wohldosiert mit Hochleistungsöl zu versehen.

Liliput Baureihe 42 Kriegslokomotive

Der 42 in der Ansicht von unten. Der Antrieb liegt im Tender, die Getriebezahnräder und Treibräder sind leicht zu erreichen und zu pflegen. – Bild: Guido Kruschke

Dummystecker raus, Digitaldecoder rein

Die Digitalisierung ist eine Sache von noch nicht einmal einer Minute. Nach dem Abheben der Kohleabdeckung am Tenderaufsatz fällt der Blick auf den Dummystecker in der 21MTC-Schnittstelle. Dieser wird vorsichtig herausgehebelt, dann kann ein passender Digitaldecoder eingesteckt werden. In meinem Fall ist es ein ESU LokPiot V4.0. Zum Testen geht es auf das Programmiergleis, schnell sind die entsprechenden Werte eingespielt.

Liliput Baureihe 42 Digital

Der Decodereinbau in die Baureihe 42 ist in noch nicht einmal einer Minute erledigt. – Bild: Guido Kruschke

Das Fahrverhalten der Baureihe 42 mit dem ESU-Decoder an Bord ist ausgezeichnet. Jeden Geschwindigkeitsbereich meistert die Maschine ohne Rucken und ohne Aussetzer. Selbst im extremen Langsamfahrbereich zeigt sie keine Schwächen. Was allerdings ein wenig stört, daß sich das Gestänge mit zunehmender Geschwindigkeit mit einem radsynchronen Klackern bemerkbar macht. Das liegt möglicherweise am großzügigen Spiel der Treibstangen, die es dem Modell so ermöglichen, auch kleine Radien meistern zu können.

Auch im Analogbetrieb fährt die 42 in jedem Geschwindigkeitsbereich ordentlich und ohne zu rucken.

Mein Gesamtfazit: Um die Eingangsfrage zu beantworten, was nun die „Neue“ bringt: Aus meiner Sicht hat Liliput mit seiner neuen Baureihe 42 ein schönes Modell auf die Räder gestellt. Die fast durchweg aus Metall gefertigte Maschine kann erst einmal fahrtechnisch gegenüber ihren Vorgängerinnen punkten, zudem verfügt sie nun über eine digitale Schnittstelle – ein echtes Plus.

Auch von der Optik her kann mich die 42 überzeugen, die wohl etwas zu breite Zylindergruppe und die nicht freistehenden Leitungen am Kessel fallen bei mir nicht negativ ins Gewicht. An die mattschwarze Lackierung kann man sich gewöhnen, die Beschriftung ist ohne Fehl und Tadel.

Baureihe 42 Kriegsdampflokomotive Deutsche Bundesbahn

Die Deutsche Bundesbahn gab 1950 ihren offiziellen Bestand der Baureihe 42 mit 649 Lokomotiven an. Wegen der Anfälligkeit von Kessel und Fahrwerk gegen Schäden, des hohen Kohleverbrauchs und nicht zuletzt wegen des Kesselzerknalls der 42 1893 am 12. Oktober 1951 bei Cochem wurden bis Anfang 1956 alle Loks der Baureihe 42 abgestellt. Durch den Beitritt des Saarlandes im Jahre 1957 tauchten aber wieder einzelne 42er im Bestand der DB auf, die dann bis 1962 ausgemustert wurden. – Bild: A. Dormann, Slg. W. Löckel, Bildarchiv der Eisenbahnstiftung

Die Dampflokomotiven der Baureihe 42 wurden als Kriegsdampflokomotive KDL 3 für die Deutsche Reichsbahn angeschafft. Im Gegensatz zur leichteren Baureihe 52 (KDL 1), die aus der Baureihe 50 weiterentwickelt wurde, handelte es sich bei der Baureihe 42 um eine komplette Neukonstruktion. Sie war für schwere Güterzüge vorgesehen, die mit der Baureihe 52 nicht wirtschaftlich befördert werden konnten.

Planung: 8.000 Lokomotiven für schwere Güterzüge

Im September 1942 sahen die Verantwortlichen den Bau von 8.000 Lokomotiven vor. Bis Baubeginn im Sommer 1943 reduzierte sich die Planung auf 3.300 Lokomotiven. Die ursprünglich vorgesehenen Stückzahlen wurden wegen des Krieges nicht verwirklicht, insgesamt lieferte die Industrie 865 der 80 km/h schnellen und rund 1.800 PS starken Lokomotiven. Durch Nachbauten nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen und Wien-Floridsdorf wuchs die Stückzahl schließlich auf 1.063 Maschinen an.

Die Deutsche Bundesbahn übernahm noch 649 dieser Lokomotiven. Mit der Eingliederung des Saarlandes wurden 1957 weitere 21 Maschinen übernommen. Sie waren bis Oktober 1962 vor allem vor Erzzügen und im schweren Verschubdienst eingesetzt. Bei der Deutschen Reichsbahn der DDR kamen die 42er länger zu Ehren, die letzten Einsätze wurden 1969 dort verzeichnet. In Österreich wurden wenige Exemplare bis Ende der 1960er Jahre vorwiegend auf der Semmeringbahn eingesetzt.

Baureihe 42 Kriegsdampflokomotive Deutsche Bundesbahn

Die 1944 bei der Wiener Lokfabrik gebaute 42 1900 war nach 1945 in Diensten der SNCF tätig und wurde am 3. März 1946 an die Reichsbahn (West) zurückgegeben und war bis zu ihrer Ausmusterung am 18. Oktober 1954 beim Bw Bingerbück stationiert. – Bild: A. Dormann, Slg. W. Löckel, Bildarchiv der Eisenbahnstiftung

Zusammenfassung
Liliput Baureihe 42: Arbeitstier für schwere Güterzüge
Beitrag
Liliput Baureihe 42: Arbeitstier für schwere Güterzüge
Beschreibung
Mit einen überarbeiteten Modell der Baureihe 42 kann Liliput an eine alte Tradition anknüpfen. Die Nachbildung der schweren Güterzuglokomotive findet sich seit Jahrzehnten im Programm des Modellbahnherstellers.
Autor
Herausgeber
Modellbahn Tutzing
Herausgeber Logo
Liliput Baureihe 42: Arbeitstier für schwere Güterzüge