Trix E 10.12: Vom Mauerblümchen zum Edelrenner

3. Januar 2018 - Lesezeit: 3 Min

Was macht man, wenn man sich mit der optisch gelungenen Trix E 10.12 als Zugmaschine für TEE-Züge einen langgehegten Wunsch erfüllt? Dann in der Praxis feststellen muß, daß die Lok mehr als schlecht auf der Parkettbahn unterwegs ist? In die Vitrine verbannen? Nein, es gibt einen besseren Weg – und der hat sich gelohnt.

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Mein Objekt der Umbaubegierde. Nach dem Kauf und den ersten Testfahrten auf meiner Parkettbahn sah es zunächst so aus, als daß die schnittige Lok in der Vitrine verschwinden würde. – Bild: Guido Kruschke

„Hochleistungsantrieb C-Sinus in kompakter Bauform zentral eingebaut. 4 Achsen über Kardan angetrieben, 2 Haftreifen. Spitzensignal und Schlusslichter mit wartungsfreien Leuchtdioden konventionell in Betrieb, digital schaltbar…“. So nüchtern klingt heute noch die technische Bescheibung der E 10.12, welche Trix/Märklin im Jahr 2007 anläßlich des „Rheingold“-Jubiläums auflegte. Hochgelobt wurde er seinerzeit, der Hochleistungsantrieb. Doch auf meiner digitalen Anlage unter Verwendung des DCC-Protokolls zeigt sich die Maschine auf keinen Fall von ihrer besten Seite.

Ich lege sehr großen Wert auf exzellente Fahreigenschaften. Extreme Langsamfahrt, sanftes und ruckfreies Beschleunigen und Abbremsen, Lastregelung und eine angemessene Höchstgeschwindigkeit muß sein. Das kann meine E 10.12 „out-of-the-box“ nicht bieten. Das könnte erst einmal an den Werkseinstellungen des Decoders liegen.

Was habe ich nicht alles ausprobiert

Die beiliegende Kurzanleitung listet alle einstellbaren CV, mehr nicht. Und nur diese dürfen geändert werden, wie es die Bedienungsanleitung vorschreibt. Also ändere ich die Geschwindigkeit und die Werte für Anfahrbeschleunigung und Bremsverzögerung, indem ich die Werte über die Digitalzentrale direkt in die entsprechenden CV schreibe.

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Raus mit der kompletten alten Antriebseinheit. Zum Einbau kommt ein qualitativ hochwertiger Maxon-Motor. – Bild: Achim Grob

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Vor dem Einbau des Maxon-Motors muß das Chassis entsprechend ausgefräst werden. – Bild: Achim Grob

Anschließend geht es auf die Anlage. Und wie aus dem Nichts entwickelt das Modell plötzlich ein Eigenleben der negativen Art. Kaum liegt digitale Spannung an, rast sie los und kann nur durch einen Nothalt gestoppt werden. Den Grund dafür kenne ich nicht. Der Decoderhersteller Doehler & Haass war auf meine Anfrage sehr bemüht und hilfsbereit, konnte mir schlußendlich leider nicht weiterhelfen. Sind es nun die Tücken des Decoders oder gar der Treiberplatine?

Ein neuer Decoder bringt keine Veränderungen

Nächster Versuch: Einbau eines ESU LoPi V4.0, immerhin verfügt die Platine über eine 21MTC-Schnittstelle. Trix ist allerdings clever und verweist in seiner Bedienungsanleitung darauf, daß nur der werksseitig eingebaute Decoder eingesteckt werden darf.

Ich lasse es darauf ankommen und stecke trotzdem den ESU-Decoder ein. Mit den Standardwerten sind die Fahreigenschaften allerdings unterirdisch, wieder Höchstgeschwindigkeit bis zum Nothalt. Auch die von ESU empfohlenen Anpassungen an den eingebauten C-Sinus Antrieb, welche ich über den LokProgrammer direkt in den Decoder einprogrammiere, bringen keine Verbesserungen. Die schöne „Bügelfalte“, nun ein Fall für die Vitrine?

Dauerverbannung in die Vitrine? Nicht bei mir!

Ein Beitrag über den erfolgreichen Umbau auf einen Glockenankermotor in einem Modellbahnforum läßt Mitte 2017 neue Hoffnung aufkeimen. Doch meine große Hürde ist nicht der Motoreinbau und das Digitalisieren des Modells selbst, sondern die auszuführenden Fräsarbeiten, um den Motor im Chassis unterbringen zu können. Wer hilft mir?

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Paßt und sitzt wie angegossen. Und die komplette alte Antriebseinheit mit Treiberplatine darf getrost entsorgt werden. – Bild: Guido Kruschke

Schnell kam mir der Name Achim Grob ins Gedächtnis. Der umtriebige Z-Spezialist von Hightech Modellbahnen aus dem unterfränkischen Hambach hat mir schon in früheren Tagen bei dem einen oder anderen Digitalthema geholfen.

Achim Grob
High Tech Modellbahnen
Hofrat-Grätz-Straße 15
D-97456 Hambach
Tel: 09725/7305
Fax: 09725/7304
Internet: http://www.z-hightech.de
E-Mail: achim.grob@z-hightech.de

Ein kurzes Telefonat, dann folgt mein Umbauauftrag mit viel Zeitspielraum und im September 2017 geht die Trix’sche E 10.12 wohlverpackt auf die Reise. Auf einen Loksound verzichte ich.

Kurz vor Weihnachten steht der freundliche Paketzusteller vor meiner Türe und bringt mir das Modell zurück. Die Freude ist groß, doch wird sie anhalten, wenn die Lokomotive auf das Gleis gestellt wird. Was soll ich sagen.

Nach den ersten Runden ist die Freude noch größer. Traumhafte Fahreigenschaften aus dem Stand heraus, kein Ruckeln und Stottern und kein Vollgas aus dem Nichts. Sanft beschleunigt die E 10.12 mit dem „Rheingold“ am Haken, ebenso sanft bremst sie wieder ab und kommt auf dem Punkt zum Stehen.

Ein Umbau, der sich mehr als gelohnt hat

Doch nicht nur die Fahreigenschaften sind klasse. Achim Grob hat die weiße und rote Beleuchtung so verdrahtet, daß ein vorbildgerechtes Beschalten über die Funktionstasten möglich ist. Stirnseitige Beleuchtung und rotes Schlußlicht an, wenn eine Solofahrt ansteht. Hängt ein Zug am Haken, wird das Schlußlicht abgeschaltet. Fernlicht und beidseitige rote Beleuchtung für eine abgestellte Lok, auch das ist möglich.

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Saubere Arbeit, wohin das Auge blickt. Sogar die originale Platinenhalterung konte Achim Grob übernehmen. – Bild: Guido Kruschke

Nach dem Abnehmen des Lokgehäuses sieht man die Handschrift des Profis Achim Grob. Das Chassis ist sauber ausgefräst, der Maxon-Motor liegt satt in der Mitte. Die originale Platinenhalterung ist übernommen, darauf befindet sich nun die ESU-Adapterplatine mit 21MTC-Schnittstelle. Von dort aus gehen ordentlich verlegte Kabel zum Motor, zur Stromabnahme und zu den Beleuchtungsplatinen an den Sirnseiten. Auf der Platine schlägt nun das digitale Herz in Form eines ESU LoPi V4.0. Selbstverständlich hat Achim Grob auch die entsprechenden Einstellungen am Deooder vorgenommen.

Jetzt rennt die E 10.12, wie sie rennen soll

Vom Mauerblümchen zum Edelrenner, der Titel dieses Umbaubeitrags trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Auf meiner Anlage dreht nun eine E 10.12 ihre Runden, die von den Fahrleistungen her absolute Spitze ist. Und auf diese kommt es mir besonders an. Daß sich auch die Beleuchtung wie beim großen Vorbild schalten läßt, setzt noch das Sahnehäubchen obenauf. Unterm Strich ist dieser Umbau definitiv eine Empfehlung!

Und so viel sei an dieser Stelle verrraten: Die nächsten Modelle aus meiner Sammlung sind schon auf dem Weg nach Hambach.

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Die Kabel für Beleuchtung und Stromzuführung sind sauber und akkurat an der ESU-Adapterplatine mit der 21MTC-Schnittstelle verlötet. – Bild: Guido Kruschke

Umbau Trix E 10.12 Maxon Digital

Der neue ESU LoPi V4.0 wird einfach in die 21MTC-Schnittstelle gesteckt. Anschließend erfolgt das Programmieren. – Bild: Guido Kruschke

Trix E 10.12: Vom Mauerblümchen zum Edelrenner

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