Von der Idee zum Plan: Bahnhof Raisting auf dem Parkett

Ammerseebahn Raisting
Am Anfang einer jeden Bahn auf Tutzings Parkett steht eine Idee und eine Skizze. – Bild: Guido Kruschke

Von der Idee über die ersten Skizzen hin zur Planerstellung am PC. So laufen die Vorbereitungen zum Bahnhof Raisting an unserer Ammerseebahn auf Höhe Null. Und wir haben gelernt, der digitalen Verlockung zu widerstehen.

Ammerseebahn Entwurf Schwifting
Ende 2019 entstand der erste Plan zum Bahnhof Schwifting in Kurvenlage. – Skizze: Guido Kruschke/SCARM
Ammerseebahn Schondorf
Schondorf, die Idee zu einem kleinen Bahnhof an unserer Ammerseebahn. – Bild: Guido Kruschke

Raisting, eine beschauliche Gemeinde in Oberbayern, liegt bahntechnisch an der eingleisigen Ammerseebahn von Mering über Schondorf nach Weilheim. In der Epoche 3 konnte der Bahnhof neben dem durchgehenden Hauptgleis mit einem Überholgleis, einem Ladegleis mit Güterschuppen und einem eingeschossigen Empfangsgebäude aufwarten. Seit 1987 ist Raisting nur noch ein Haltepunkt.

Auf Tutzings Parkettbahn hat unser projektierter Bahnhof Raisting mit seinem großen Vorbild lediglich den Namen gemeinsam. Unsere Ammerseebahn entstand seinerzeit aus einem gewissen Lokalpatriotismus heraus, so dass wir die verschiedenen Bahnhöfe auch mit realen Namen versehen haben.

Das C-Gleis als Garant für sicheren Betrieb

Jedem unserer Gleispläne liegt die recht starre Geometrie des Trix C-Gleises zugrunde. Die Tasache, dass es (noch) kein Flexgleis gibt und dass man bei der Planung auf vorgegebene Gleiselemente zurückgreifen muss, war für uns aber kein Ausschlußkriterium bei der Wahl des Gleissystems. Betriebssicherheit und solide Gleisverbindungen, die auch hunderte von Aufbauten und Abbauten klaglos überstehen müssen, stand und steht für uns an erster Stelle.

Raisting und die geschwungene S-Kurve

Am Anfang steht meistens eine Skizze, die wir mal eben schnell aus einer gedanklichen Idee heraus zu Papier bringen. Im Hinterkopf haben wir dabei stets die räumlichen Gegebenheiten unseres Wohnraums präsent, die ersten Entwürfe müssen sich diesen Restriktionen unterwerfen. Doch jahrelange praktische Erfahrung im Bau und Betrieb unzähliger Parkettbahnen hat uns gezeigt, dass selbst auf kleiner Fläche durchaus anspruchsvoller Betrieb gemacht werden kann.

Ammerseebahn Skizze Raisting
Aus dem Plan des Bahnhofs Dießen/Ammersee entstand die Idee zum Bahnhof Raisting mit „Schwung“. – Skizze: Guido Kruschke/SCARM

Die erste Skizze sieht den Bahnhof Raisting in einer geschwungenen S-Kurve vor. Möglich macht diese Streckenführung der 12,1 Grad Gegenbogen zu den schlanken Weichen mit einem Radius von 1.114,6 mm.

Gleisplanungssoftware als unerlässliches Hilfsmittel

Natürlich lässt sich die Skizze jetzt direkt auf dem Parkett umsetzen, grundlegende Kenntnisse des Trix C-Gleissystems und jahrelange Erfahrung vorausgesetzt. Gleise herausholen, grob auslegen, zusammenstecken und immer wieder probieren, bis es schlussendlich passt.

Weitaus komfortabler und in der Regel auch nervenschonender ist die Planung am PC als nächster Schritt auf dem Weg zum Aufbau auf dem Parkett. Seit Jahren schwören wir auf den Einsatz von SCARM. Jeder Plan beginnt in der Regel mit dem Setzen der ersten Gleise oben rechts an, gefolgt von der Kurve in den Radien 4 oder 5 nach Osten unter Berücksichtigung der kleinen Hobbysitzecke meiner besseren Hälfte.

Ammerseebahn Raisting 36 Grad
Die erste Umsetzung des Bahnhofs Raisting in SCARM mit einem 36 Grad „Schwung“. – Skizze: Guido Kruschke/SCARM

Liegen diese Gleise, geht es an den Bahnhof Raisting. Die Skizze gibt die ersten Weichen vor, an diese schließen sich die schlanken Bögen mit den Bahnsteiggleisen in der Geraden an. Im ersten SCARM-Entwurf haben wir den „Schwung“ nach unten auf 36 Grad gelegt, was sich im späteren Praxisbetrieb als nicht praktikabel erwiesen hat. Damit Züge mit der von uns vorgesehenen Nutzlänge von mindestens 120 Zentimetern am Mittelbahnsteig halten können, müssten die Bahnsteige an ihren Enden schon in der Kurve liegen.

Also haben wir umdisponiert, den PC mit SCARM erneut angeworfen und den „Schwung“ nun auf 24 Grad gelegt. Ist das digitale Planungswerk vollbracht, geht es direkt an die Umsetzung auf Höhe Null. Und die neue Version hat uns im Betrieb besser gefallen, liegt doch der Mittelbahnsteig komplett in der Geraden.

Ammerseebahn Raisting
Der aktuelle SCARM-Plan Version 251 des Bahnhofs Raisting. So haben wir ihn Ostern 2020 aufgebaut. – Skizze: Guido Kruschke/SCARM

Fahren, spielen und einfach nur Betrieb machen

Nach der Planung, die wir als notwendige und keinesfalls lästige Kür sehen, folgt die Pflicht auf dem Parkett. Der Aufbau von Raisting und dem Ausweichbahnhof Wielenbach im Süden hat eine gute halbe Stunde gedauert. Liegen die Gleise und steht die Versorgung mit digitalem Saft, darf der erste Zug auf seine Premierenrunde gehen. Digital schalten, fahren und spielen, das erledigen wir über die Roco z21 Start.

Wer glaubt, damit wäre nun das Projekt Raisting abgeschlossen, der irrt. Nichts ist auf unserem Parkett so beständig, wie der Wandel, wusste schon Heraklit. Denn erst der laufende Betrieb mit Zugfahrten, Rangierbewegungen und unterschiedlichen Betriebsabläufen zeigt Verbesserungspotenzial auf.

Früher unterlagen wir oft der digitalen Verlockung, schnell SCARM anzuwerfen, hier und da noch eine Weiche, ein Gleis einzubauen und dann die Umsetzung auf dem Boden zu vollziehen. Geht, aber wir haben im Laufe der Jahre gelernt, uns eine gesunde Selbstbeschränkung aufzuerlegen, denn weniger ist oftmals mehr.

Ammerseebahn Raisting Baureihe 64
Frühmorgens steht 64 113 an der neuen Kleinbekohlung. – Bild: Guido Kruschke

Letzte Änderung am